| Der Aufschrei unter Konstanzer Wasserfreunden ist groß: Wenn das Hallenbad im integrativen Kindergarten Arche schließt, müssen hunderte Teilnehmer von Babyschwimmen, Aquajogging und Wassergymnastik sich nach einem Ausweich-Badeort umschauen – ein fast unmögliches Unterfangen. Ein Schuldiger ist allerdings nicht auszumachen. Ein Wohlfahrtsverband wie die Caritas ist nicht dazu verpflichtet, ein Bad zu erhalten, das seit Jahren hunderttausende Euro Verlust einfährt. Und diestädtischen Bäder sind fast ausgebucht. Der Ärger der Betroffenen ist – bei allem Verständnis – aber ein Luxusproblem. Während einige Städte gar kein Schwimmbad mehr haben, verfügt Konstanz mit der Therme, dem Schwaketen-und dem Hallenbad am Seerhein gleich über drei öffentliche Bäder und im Sommer zusätzlich über das unschlagbare Angebot von vier kostenlosen Strandbädern. Viel mehr Probleme tauchen im Hallenbereich auf. Konstanz hat über 30 000 Sportler in 90 Vereinen. Laut Stadtsportverband nutzen etwa 6000 Menschen pro Woche die Sporthallen. Wie viele aber vergeblich um einen Hallenplatz buhlen, kann niemand sagen. Schon längst haben Gruppenleiter es aufgegeben, nach Nutzungszeiten zu fragen. Sie wissen, dass alle Sportstätten zwischen 8 und 22 Uhr voll belegt sind. Auch die Uni ist überbucht, Betriebssport hat in Konstanz fast keine Chance. Das Angebot an Sportplätzen im Freien ist im Vergleich zu anderen Städten ebenfalls schlecht. Dazu kommen aktuelle Streichungen im Nachtragshaushalt: Die Neuanlage des Schänzle-Sportplatzes II als Ersatz für den Rheingut-Platz wurde verschoben, auch das Bodenseestadion sowie der Schwaketen-Sportplatz müssen warten. Die Sportanlagen an der Geschwister-Scholl-Schule sollen frühestens 2014 gebaut werden, ebenso die Turnhalle der Theodor-Heuss-Realschule und die neue Halle am Suso-Gymnasium. Einen kleinen Lichtblick bietet die Zweifeldturnhalle am Ellenrieder-Gymnasium, die im Moment entsteht. Ende 2011 soll sie fertig sein, dann ist der Bedarf in der Altstadt weitgehend gedeckt. Noch nicht gelöst sind damit die immensen Schwierigkeiten in Petershausen. Viele Schulen haben Probleme, ihre Sport-Pflichtstunden anzubieten. Schon lange ist bekannt, dass das Suso-Gymnasium sieben verschiedene Sportstätten nutzen muss. Zwar drängen Vereine und einige Mitglieder des Sportausschusses immer wieder auf den schnellen Bau von Turnhallen. Doch bislang hat es niemand geschafft, diesen Posten bei den Haushaltsberatungen vor dem Rotstift zu retten. In die Konstanzer Sportlandschaft kommt zu wenig Bewegung. Auch Bürgermeister Claus Boldt ist kein Anwalt der Sportler. Seiner Meinung nach sollten erst die nötigen Fachräume für Schulen gebaut werden. Dabei ist Sport auch Fachunterricht – und zwar elementar wichtiger. In Zeiten, in denen viele Kinder stundenlang vor dem Computer sitzen, müssen sie sich wenigstens in der Schule regelmäßig bewegen. Denn durch die Umwandlung vieler Schulen in Ganztagseinrichtungen haben selbst Sportwillige wenig Zeit, sich im Verein zu engagieren. Eine Lösung für die prekäre Situation ist mittelfristig nicht in Sicht. Immerhin eines beruhigt: Städtisches Sportamt und Stadtsportverband als Vertretung der Vereine arbeiten inzwischen – anders als noch vor zehn Jahren – Hand in Hand. Beide Seiten sind sich einig, dass dringend Sporthallen gebaut werden müssen. Doch was fehlt, ist eine gesamthafte Prioritätenliste für alle Sportstätten. Die Planung wirkt zu zerstückelt, jedes Projekt wird einzeln betrachtet. Konstanz braucht aber endlich mehr Platz für Sport. Zum Wohl einer Stadt in Bewegung. kirsten schlüter Copyright © 2009 SÜDKURIER Medienhaus -Alle Rechte vorbehalten.
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